Grundprinzipien

Grundprinzipien

Echter Mehrwert

Kupfer ist ein Werkstoff, der sich immer wieder in seinen hochreinen Ausgangszustand zurückversetzen lässt. Damit lässt sich der Materialkreislauf durch ein «Closed Loop Recycling» nahezu schliessen. Trotz verfügbarer Recyclingoptionen wird in der Kabelproduktion häufig günstigeres Primärkupfer eingesetzt, welches einen deutlich höheren CO₂-Fussabdruck als Recyclingkupfer aufweist.

 

Kupfer aus alten Stromkabeln bieten besonders hohes Potenzial: Mit der richtigen Aufbereitungstechnik lässt sich hochreines Kupfergranulat direkt aus alten Kabeln gewinnen und mit geringem Energieaufwand zu neuen Kabelrohlingen verarbeitet werden.

 

Greenlabel verfolgt das Ziel, den Anteil von Sekundärkupfer in neuen Kabeln zu erhöhen. Damit ermöglicht Greenlabel einen reduzierten CO₂-Fussabdruck bei Kupferkabeln und schafft einen echten Mehrwert, der die höheren Kosten für die Verwendung von Recyclingkupfer rechtfertigt.

 

Im Unterschied zu Kupfer lässt sich der Kunststoff aus Kabelmänteln derzeit nicht direkt für die Kabelproduktion wiederverwenden. Das im Rahmen von Greenlabel zurückgewonnene Kunststoffmaterial wird zwar recycelt, aber derzeit in andere Anwendungen überführt. Auch bleihaltige Kabel werden recycelt.

 

 

CO₂-Fussabdruck der Greenlabel-Kabel

Recyceltes, sekundäres Kupfer weist einen tieferen CO₂-Fussabdruck auf als primäres Kupfer, das neu aus einer Mine gewonnen wurde.

 

Diesen Effekt macht sich Greenlabel zunutze, da dem Kabel in der Produktion nachweislich zu 100 % Recyclingkupfer zugerechnet wird.

 

Wie gross der Einsparungseffekt beim CO₂-Äquivalent ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa von der Reinheit des Kupferschrotts, der Prozessführung in der Schmelze oder dem eingesetzten Energiemix bei der Herstellung. Greenlabel ermittelt den CO₂-Fussabdruck sowie die Einsparung mit einem massebasierten Ansatz auf Basis durchschnittlicher Emissionswerte aus der Ecoinvent-Datenbank. Diese Werte sind nach Einschätzung der beteiligten Partner vorsichtig gewählt.

 

Aufgrund kürzerer Transportwege, eines hohen Reinheitsgrads des Kupfers und moderner Verfahrenstechnik dürften die Emissionen des bei Greenlabel verwendeten Kupfermaterials unter den Ecoinvent-Werten liegen.

Klare und einfache Mechanik

Erfolgreiche Recyclingmodelle beziehen die Endkunden aktiv ein. Bei Stromkabeln zählen vor allem Netz- und Infrastrukturbetreiber sowie Installationsunternehmen zu den Kunden. Greenlabel startet mit der Sammlung von Altkabeln bei diesen Endkunden in der Schweiz. Anschliessend erfolgt eine effiziente Trennung und Verarbeitung. Aus dem in den Kabeln enthaltenen Kupfer gewinnen die Partner von Greenlabel hochreines Kupfergranulat. Es dient als Ausgangsprodukt für die europäische Kupferkabelindustrie.

 

Greenlabel setzt auf bestehende, effiziente Materialflüsse.

 

Für jede Tonne Kupfer, die ein Kunde in das Modell einliefert, wird ein Herkunftsnachweis ausgestellt (abzüglich des branchenüblichen Materialverlusts). Der Nachweis kann für jede Tonne Kupfer verwendet werden, die in einem Greenlabel -Kabel eingesetzt wird. Nicht durch Kunden gedeckte Mengen werden aus anderen Quellen beschafft, damit stets ausreichend Sekundär-Elektrolytkupfer in der Kabelproduktion eingesetzt werden kann. Greenlabel-Kabel bestehen zu 100 % aus Recyclingkupfer. 

 

Die Nachverfolgung von Warenflüssen («Chain of Custody») mittels Herkunftsnachweisen ist im Bereich von Ökostrom und Biogas bereits Standard und wird aktuell auch für nachhaltige Flug- und Schiffstreibstoffe eingeführt.Greenlabel orientiert sich an diesen Modellen und insbesondere an den Vorgaben der ISO 13659. Alle Partner melden die verarbeiteten Kupfermengen zentral über die Plattform greenlabel.ch.

 

 

Skalierbarkeit

Greenlabel fokussiert sich auf den Schweizer Kabelmarkt und wird von den Kernpartnern KABLAN, Thommen und Bayka getragen.

 

Diese decken den Recyclingkreislauf für Kupferkabel vollständig ab. KABLAN setzt auf den verstärkten Einsatz von Recyclingkupfer in der Schweizer Kabelindustrie und hat den Aufbau des Modells massgeblich vorangetrieben. Energieversorger können sich beteiligen, indem sie ihre Altkabelmengen in das Modell von Greenlabel einbringen.

 

Das Modell ist darauf ausgelegt, bei entsprechender Nachfrage zu wachsen. Dies kann durch die Einbindung weiterer Akteure entlang der Kupfer-Wertschöpfungskette oder durch eine Ausweitung auf andere Länder erfolgen. Zukünftig ist auch die Aufnahme von Kupferkabeln mit komplexeren Recyclingwegen, zusätzlichen Kupferprodukten oder das Upcycling von Kabelmänteln denkbar.

Transparenz des Modells

Der Materialkreislauf umfasst mehrere Partner in ausgewählten europäischen Ländern und viele Bearbeitungsschritte. Teilnehmende und interessierte Stakeholder sollen wesentliche Materialbewegungen nachvollziehen und den Anspruch auf ein «CO₂-reduziertes Kupferkabel» validieren können.

 

Deshalb wird mit greenlabel.ch eine Plattform betrieben, auf der alle erforderlichen Informationen zusammenfliessen und laufend abgeglichen werden.

 

Geplant ist, dass zukünftig auch Dritte auf geeignete Auswertungen zugreifen können.

Evaluation des Modells durch EVU Partners

Greenlabel wird in der Ramp-up-Phase laufend durch den Dienstleister EVU Partners evaluiert.

 

Ziel der Evaluation ist insbesondere die Konsistenz von physischen und bilanziellen Materialbewegungen sowie der virtuellen Zertifikate. Zu keinem Zeitpunkt soll eine Doppelzählung erfolgen, beispielsweise bei der Erstellung oder Stilllegung von Zertifikaten.

 

EVU Partners nutzt hierfür die auf der Greenlabel-Plattform erzeugten Dokumente. Zusätzlich werden stichprobenartig die von Partnern bereitgestellten Dokumentationen ausgewertet, etwa zu Materialbewegungen und Prozessen. 

 

Bei Bedarf werden ebenfalls einzelne Vorgänge vor Ort, die Qualität der Materialien sowie eingesetzte Verfahren stichprobenartig untersucht.

 

Die Evaluation während der Ramp-up-Phase zielt darauf ab, das Nachweissystem so aufzubauen, dass es gemäss ISO-Norm 13659 zertifizierungsfähig ist.

Ramp-up-Phase bis 2026

Das für die Herkunftsnachweise genutzte System basiert auf der ISO-Norm 13659. Diese Norm ist zum Startzeitpunkt von Greenlabel (Sommer 2025) noch nicht verabschiedet (Status: «Under Development»).

 

Greenlabel hat einen der ersten Materialkreisläufe, der sich an dieser neuen Norm orientiert. Die Greenlabel-Partner haben es sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen einer «Ramp-up-Phase» bis in das Jahr 2026 Erfahrungen mit dem Modell zu sammeln.

 

Hierzu werden regelmässig Evaluationen durch den spezialisierten Dienstleister Colibri Carbon durchgeführt und Möglichkeiten der Weiterentwicklung geprüft.